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European Member Seminar und Ausstellung

Europäisches Member-Seminar mit Ausstellung so lautete die Einladung unseres Ikenobō-Headquarters zu einer Ikebana-Veranstaltung in Wien. Sie begann mit einem Seminar für Special Member, an das sich ein 1-Tages-Workshop für die Regular Member und eine Vorführung unseres Seminarleiters Prof. Takashi Moribe anschlossen. Mit einer Ausstellung im JUFA-Hotel für die Öffentlichkeit fand sie ihren Abschluss.

Auf der Fahrt nach Wien machten wir (eine Ikebana-Kollegin begleitete mich) einen Abstecher zu einer besonderen Parkanlage mit Botanischem Garten in Průhonice, die zusammen mit dem dazugehörigen Schloss zum UNESCO-Welterbe ernannt wurde.

Park Průhonice

Schloss und Park Průhonice liegen südlich von Prag und gehören zu den bedeutendsten Landschaftsparks Tschechiens. Das Schloss, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter reichen, erhielt sein heutiges Aussehen im 19. Jahrhundert unter Graf Arnošt Emanuel Silva-Tarouca, der es im romantischen Stil umgestaltete. Die Anlage verbindet historische Architektur mit einer harmonisch in die Natur integrierten Gestaltung.

Schloss und Park Průhonice

Der angrenzende Průhonice-Park umfasst rund 250 Hektar und zählt zu den größten Landschaftsparks Europas. Er ist Teil des UNESCO-Welterbes „Prager Denkmalschutzgebiet“. Besucher erwartet eine außergewöhnliche botanische Vielfalt mit über 1.600 Pflanzenarten, darunter zahlreiche seltene Bäume und Sträucher sowie eine der größten Rhododendronsammlungen Europas.

Park Průhonice 01

Im Herbst kann man die bunten Blätter der Haselnuss oder auch die Blüten und Nüsse der Zaubernuss entdecken. Der Park ist von malerischen Wegen, Wiesen, Teichen und dem Bach Botič durchzogen und bietet abwechslungsreiche Landschaftsbilder – von naturnahen Waldzonen bis zu kunstvoll angelegten Sichtachsen. Er ist ein beliebtes Ziel für Spaziergänge, Erholung und Naturbeobachtung und bietet zu jeder Jahreszeit besondere Eindrücke.

Park Průhonice 02

Nachdem wir eine lange Rast gemacht und uns im Park ordentlich die Beine vertreten hatten, waren wir bereit für die zweite Hälfte der Strecke nach Wien. Auch diese Teilstrecke klappte reibungslos und wir kamen wohlbehalten an unserem Reiseziel an.

In Wien ergab sich noch die Möglichkeit, die fußläufige, nähere Umgebung zu erkunden. Bei schönstem Wetter bot sich ein Spaziergang zum Böhmischen Prater an, einem traditionsreichen Vergnügungspark der Mitte des 19. Jahrhunderts, als böhmische Ziegelarbeiter und Handwerker ihre Freizeit in kleinen Gaststätten in der Umgebung verbrachten, entstand. Aus diesen einfachen Unterhaltungsmöglichkeiten entwickelte sich im Laufe der Zeit ein familiär geprägter, charmant-nostalgischer Prater, im Gegensatz zum größeren, weltbekannten Wiener Prater.

Boehmischer Prater

Da die Füße noch weiter tragen wollten und konnten und sich der Park Oberlaa in der Nähe befand, wollte auch dieser erkundet werden. Er ist eine der größten und vielfältigsten Parkanlagen der Stadt, wurde 1974 im Rahmen der Internationalen Gartenschau (WIG 74) eröffnet und zählt bis heute zu den beliebtesten Erholungsgebieten der Stadt. Charakteristisch für den Park ist seine weitläufige Gestaltung, die moderne Landschaftsarchitektur mit ruhigen Naturzonen verbindet.

Oberlaa 01

Für die WIG 74 wurde das Gelände der ehemaligen Oberlaaer Heißquellen umfassend neu gestaltet. Die Anlagen entwickelten sich zu einem Vorzeigebeispiel zeitgenössischer Parkarchitektur. Viele der damals angelegten Bereiche, darunter Themengärten, Teichlandschaften und Aussichtszonen, prägen den Park bis heute. Der Park umfasst ausgedehnte Wiesenflächen, geschwungene Wege, kleine Hügel und zahlreiche Wasserflächen.

Oberlaa 02

Im Liebesgarten ist dieses kreative Gefährt zu bestaunen und auf dem Rosenberg thront die farblich passende Skulptur.

Besonders beliebt ist auch der Japanische Garten. Er orientiert sich an traditionellen japanischen Gestaltungsprinzipien, die Ruhe, Harmonie und den Einklang von Mensch und Natur betonen. Er vereint sorgfältig platzierte Steine, Wasserflächen, kleine Brücken und kunstvoll geformte Gehölze. Zierkirschen, Bambus und immergrüne Pflanzen schaffen eine ruhige, fernöstliche Atmosphäre. 

Japanischer Garten

Geschwungene Wege führen durch verschiedene kleine Szenerien, die zum Verweilen einladen. Er bietet einen harmonischen Kontrast zu den offenen Wiesen und großen Teichlandschaften des übrigen Parks und ist ein idealer Ort für entspannte Spaziergänge und Momente der Ruhe und eignet sich damit als perfekte Einstimmung auf das am nächsten Tag stattfindende Seminar mit Professor Takashi Moribe, der für uns 31 Teilnehmer*innen extra aus Japan angereist war. Alle Teilnehmer*innen waren voll gespannter Erwartung.

Prof. Takashi Moribe

Obwohl er bereits eine intensive Seminarwoche in Frankreich hinter sich hatte, schien Prof. Moribe ausgeruht, voller Tatendrang und gut gelaunt zu sein. Unsere Special-Member-Gruppe war wieder international besetzt. Die Teilnehmer*innen kamen aus Spanien, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland, um die vor Ort ansässigen Teilnehmer*innen der Study Group Austria zu ergänzen. Nach einer kurzen Begrüßung begann das Seminar mit der Theorie und Vorführung eines Shōka Shofūtai isshuike und eines Shōka Shofūtai nishuike. Nachdem wir Special Members unsere Arrangements fertiggestellt und jedes Arrangement kommentiert und/oder korrigiert worden war, ging Prof. Moribe ausführlich auf die Besonderheiten eines Rikka Shimpūtai ein, das wir am nächsten Tag gestalten sollten. Die fleißigen Helfer*innen hatten die Materialien schon wieder nach den entsprechenden Listen zusammengestellt, sodass nach einem weiteren konzentrierten und fröhlichen Tag alle Arrangements von unserem Professor abgenommen werden konnten.

WS Arrangements

Der dritte Seminartag war hauptsächlich für Regular Member reserviert, die sich mit den Besonderheiten des Jiyūka-Stils beschäftigten. Am Samstag fertigten wir unsere Arrangements für die Ausstellung und genossen die kurzweilige und vielfältige Vorführung von Prof. Moribe zu der über 70 Gäste geladen waren - darunter auch Persönlichkeiten wie der japanische Botschafter Kiminori Iwama mit Gattin. Von uns Special Members wurden in der Ausstellung am Sonntag hauptsächlich Rikka Shimpūtai gezeigt, die Regular Member waren mit vielseitigen Jiyūka und Shoka Shimpūtai Varianten vertreten.

Ausstellung Jufa

Trotz des fehlenden Services und der schwierigen Kommunikation seitens des JUFA-Hotels freuten wir uns über zahlreiche Besucher*innen der Ausstellung und viele wertschätzende Kommentare zu unseren Arrangements.

Zur Entspannung und um das schöne Wetter zu genießen, blieb an diesem Tag trotz Ausstellung noch etwas Zeit, um die Donauinsel zu erkunden. Unter den Brücken ist eine ganz andere Kunstszene zu entdecken. An der Neuen Donau auf der Donauinsel gibt es eine legale Street-Art-Zone, in der lokale und internationale Künstler Wände und Pfeiler mit Graffiti und großflächigen Wandbildern besprühen dürfen.  

Donauinsel

Dieser Bereich dient als lebendige Freiluftgalerie, deren Werke regelmäßig von lokalen und internationalen Künstlern neu gestaltet werden. Er ist ein wichtiger Anlaufpunkt für Street-Art-Fans, die hier eine bunte und kreative Atmosphäre erleben können. Die Kunstwerke reichen von einfachen Schriftzügen bis zu detailreichen Motiven mit Figuren, Tieren oder abstrakten Formen. Die Zone schafft eine lebendige, kreative Atmosphäre, die einem ständigen Wandel unterliegt. 

Donau Graffiti


Nach diesen schönen und andersartigen Kunsteindrücken ging es zurück um die Ikebana-Arrangements, die ebenfalls der Vergänglickheit unterliegen, in unserer Ausstellung abzubauen. Auch auf dem Rückweg nach Berlin hatten wir wieder einen Stopp eingeplant. Diesmal machten wir in der tschechischen Stadt Lovosice Halt und genossen vom kleinen, aber sehr originellen Aussichtsturm 'Rozhledna U Zámečku' einen weiten Panoramablick auf die Elbe, die Stadt Lovosice und markante Erhebungen im Böhmischen Mittelgebirge. Der Turm wurde 2018–2019 nach einem Entwurf von Luboš Hruška neu errichtet. Seine Konstruktion besteht aus 40 hyperboloid geformten Holz-/Stahlpfählen die in ein Betonpodest eingelassen sind. Das Dach ist ein von Weitem gut sichtbares, segelartiges Tuch. Der Turm steht auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel. Früher befand sich dort ein Eiskeller, in dem Eis gelagert wurde, um damit in der nahegelegenen Ausflugsgaststätte Bier zu kühlen. An dieser Stelle stand bereits seit dem 19. Jahrhundert ein Aussichtspavillon, der „Altan“, über dem historischen Keller. Auch damals war dies ein beliebter Ausflugsort.

Rozhledna Lovosice

Bevor wir uns auf den letzten Teil der Heimreise begaben, spazierten wir am nächsten Tag, vor dem Frühstück, bei aufgehender Sonne noch einmal am Ufer der Elbe entlang und nahmen Abschied vom schönen Tschechien. Das Land ist sicher eine etwas längere Reise wert. Insgesamt waren es wieder ereignisreiche Tage, die uns mit Kunst, Kultur und Schönheit beschenkten. Ein herzliches Dankeschön noch einmal an die Leiterin unserer Study Group Austria, Prof. Andrea Scheberl, die ihre Energie und ihr maximales Engagement investierte, um dieses European Member Seminar Realität werden zu lassen.