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Es ist schon wieder eine ganze Weile her, dass das wunderbare Ikebana-Seminar in Wiesbaden-Naurod stattgefunden hat, zu dem uns Professor Noda beehrt hat. Er ist auf unsere Einladung hin aus Kyoto angereist, um uns 35 Ikebana-Praktizierenden wieder einmal mit Neuigkeiten zu versorgen und uns auf unserem KADO professionell zu begleiten. Das Niveau bei solch einem Seminar ist in der Regel recht hoch, da fast alle Teilnehmerinnen das Lehr-Zertifikat besitzen und auf eine langjährige Ikebana-Praxis zurückblicken können. Anfang August durften wir uns im Seminar vom Team des Wilhelm-Kempf-Hauses verwöhnen lassen und konnten uns so ganz auf das Seminar mit Theorie und viel Praxis konzentrieren. Glücklicherweise war das Zeitfenster dieses Jahr auch in meinem Terminkalender frei, sodass ich mich auf die Reise nach Wiesbaden-Naurod machen konnte. 

Auf halber Strecke machte ich allerdings einen Abstecher nach Weimar. Nicht nur das Gartenhaus von Goethe lohnt einen Besuch, mit etwas Glück entdeckt man auch das Wohnhaus zweier weiterer Berühmtheiten, die in Weimar gewohnt haben. Auf jeden Fall ist die Kulturstadt Europas einen Besuch wert.

Goethes Gartenhaus in Weimar
Im Jahr 1776 finanzierte Herzog Carl August Johann Wolfgang Goethe den Erwerb des damals vor den Toren der Stadt gelegenen Gartens mit dem dazugehörigen Haus. Goethe ließ das Anwesen mit dem aus dem 16. Jahrhundert stammenden Weinberghaus nach seinen Vorstellungen reparieren und umgestalten. Er wohnte und arbeitete dort bis Juni 1782.

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Eingang Goethes Gartenhaus

Das Sandsteinmonument 'Stein des guten Glücks', eine Kugel auf einem schmucklosen Würfel und eines der ersten nicht-figürlichen Denkmäler Deutschlands, ließ Goethe im April 1777 am Ende der Malvenallee in seinem Garten aufstellen.

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'Stein des guten Glücks'

Wenn man durch den angrenzenden Park am Fluss Ilm geht, am Schloss vorbeispaziert und die Sternbrücke überquert, gelangt man in die Leibnizallee. Dort befindet sich das Haus, in dem die Bauhausmeister Johannes Itten (1919–1923) und László Moholy-Nagy (1923–1925) wohnten.

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Wohnhaus von Johannes Itten und László Moholy-Nagy

In dieser Stadt gäbe es noch viel zu besichtigen und darüber zu lernen und zu schreiben, doch mein vorrangiges Interesse galt schließlich dem Besuch des Ikebana-Seminars. Also ging es weiter nach Wiesbaden-Naurod.

Ikebana-Seminar mit Prof. Manabu Noda vom 3. - 7. August 2025
Es war eine große Freude, Bekannte und Freundinnen aus dem letzten Prof.-Noda-Ikebana-Seminar vor zwei Jahren wiederzusehen. Nachdem am Samstagabend alle Teilnehmenden eingecheckt hatten und erste Kontakte geknüpft oder erneuert worden waren, konnte das Seminar am Sonntagvormittag mit einer ausführlichen Theorieeinheit zum Thema Jiyūka und einer Vorführung zweier Freestyle-Arrangements (mit Hostablättern, grünen Bartnelken, Zinnien und Disteln) durch Professor Noda beginnen. Danach war unsere Kreativität gefragt: Wir konnten uns mit dem zur Verfügung stehenden oder auch mit selbst mitgebrachtem Material austoben. Unsere Vereinspräsidentin hatte wieder alles bestens organisiert. Zudem packten alle Teilnehmenden mit an, sodass das Pflanzenmaterial in den Blumenkübeln jeden Tag frisch bereitstand.

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Einige sammelten auf der Wiese Wilde Möhre und Margeriten, andere im angrenzenden Wald grüne Blätter, beispielsweise von den zahlreichen Buchen und Brombeeren. So entstanden sehr unterschiedliche Arrangements. Es wurde angeregt, das erste Arrangement in einem Gefäß und ein zweites als zweiteiliges Arrangement zu gestalten. Da fast alle Teilnehmenden zwei Jiyūka fertigten, hatte unser Professor mit den Korrekturen von rund 70 Werken an diesem Tag alle Hände voll zu tun. Die Besprechungen bzw. Korrekturen erfolgten wie immer sehr einfühlsam. Manchmal wurde hier und da ein Blatt oder ein Stängel verändert, es gab aber auch weiterreichende Korrekturen, bei denen das gesamte Arrangement vom Professor neu aufgebaut wurde. War man mit seinem Werk fertig, verfolgte man die Korrekturen bei den anderen Arrangements aufmerksam, denn gerade dadurch konnte man auch sehr viel lernen.

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Am Montag stand dann das Thema Shōka Shōfūtai auf dem Programm, das wieder mit der Theorie und einer Vorführung zu der Sonderform 'betsuden' und der Variante mit zwei Materialien 'Nishu-ike' ausführlich erörtert wurden. Professor Noda arbeitete die Nishu-ike Formen mit Typha-Blättern und Eustoma bzw. Buchenzweige und Eustoma und ging anschliessend auf die Betsuden-Formen: mae-zoe und schließlich niho-shomen ebenfalls mit Eustoma gearbeitet ein.

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Der dritte Seminartag begann mit der Theorie zum Thema „Rikka Shōfūtai”, die durch ein entsprechendes Vorführ-Arrangement ergänzt wurde. Für die weniger Fortgeschrittenen erklärte unser Professor das Shōka Sanshu-ike, bei dem mit drei Materialien gearbeitet wird, und zeigte ein Sanshu-ike mit Dill, Typha-Blättern und Eustoma. An diesem Nachmittag herrschte eine wundervolle, konzentrierte Stille in unserem Seminarraum. Alle waren mit vollem Eifer bei der Sache. Der erste Teil des Rikka war geschafft. Ganz fertig wurde jedoch niemand, da die Erstellung eines Rikka doch einige Zeit in Anspruch nimmt. Am Mittwochmorgen vor Seminarbeginn sah es in der Aula des Wilhelm-Kempf-Hauses mit den fast fertigen Rikka auf den Arbeitstischen dann recht interessant aus. Die meisten hatten das für den Shin gedachte Material, die weißen Gladiolen, entsprechend genutzt.

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Nach dem Mittagessen erfuhren wir die neuen „alten” Regelungen zur Vorgängerform des Rikka, dem Tatehana. Eine Form, die von den Teilnehmenden sehr gerne gearbeitet wird, da hier weniger gedrahtet werden muss als bei den Rikka. Zudem wurde die Form des Shōka Shimpūtai thematisiert und mit Eustoma, Enzian und Steelgras vorgeführt.
Da jede/r entsprechend der unterschiedlichen, bereits gearbeiteten Arrangements der Vortage vielfältiges Material im Blumenkübel hatte, wurden am Donnerstag, dem 5. Seminartag, sehr unterschiedliche Tatehana und Shōka Shimpūtai gearbeitet.

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Im Anschluss an die offizielle Übergabe der Teilnahmebestätigungen und den Dankesreden stand wie immer das gemeinsame Aufräumen auf dem Programm. Da alle mit anpackten, war die Aula noch vor dem Abendessen wieder in ihren Originalzustand zurückverwandelt. Fazit: Es klappte alles wie am Schnürchen, auch wenn manche Materialien in Europa gar nicht oder in anderer Qualität verfügbar sind. An dieser Stelle auch mein herzlicher Dank an Professor Noda, der uns jeden Tag aufs Neue mit guter Laune und besonderen Begrüßungsarrangements erfreute und last but not least ein besonderes Dankeschön auch an unsere Präsidentin des Tachibana-Kadokai-Chapters e. V., Angelika Eisinger.

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