Direkt zum Inhalt
World Seminar Kyoto 2024

Date: 30.07.2024 to 02.08.2024, Place: Ikenobō Headquarters Building, Kyoto, Participants:
Special members or Regular members of Ikenobō Society of Floral Art who hold the Ikenobō Diploma #5 or above, Instructors: Ikenobo Headquarters Professors, Assistant Professors and Instructors, Language: English and Japanese. 

So lautete die Ankündigung für das World Seminar im Headquarter in Kyoto, an dem Ikebana Studierende aus der ganzen Welt teilnehmen konnten. Eingeteilt in 5 Kurse, die je nach Diplom-Grad besucht werden konnten, hatten wir die Ehre von Herrn Prof. Furukawa unterrichtet zu werden, der uns mit seiner freundlichen und zugewandten Art, seinem Humor und seinen einzigartigen Kreide-Zeichnungen auf der Tafel beeindruckte.

Rokakudo

Das Ikenobō HQ liegt an einer der beiden Hauptlinien der Subways von Kyoto, an der Karasuma Line (K), und besticht - wie das Ikenobō Ikebana - durch seine Kombination aus alt und neu. Der Ikenobō-Stammsitz vereint, den Ruhe und Besinnlichkeit ausstrahlenden Rokkakudo Tempel, mit dem geschäftigen 9-stöckigen Ikenobō-Hochhaus.

rokkakudo templeDer Tempel, auch als Chōhō-ji bekannt, ist ein buddhistischer Tempel der zur Tendai-Schule des Buddhismus gehört und im 6. Jahrhundert von Prinz Shōtoku gegründet wurde. Seine sechseckige Form verlieh ihm seinen Namen Rokkakudō (sechseckige Halle). Er ist ein wichtiger Ort in der Geschichte des Ikebana, gilt er doch als der Tempel, in dem der Abt Ono no Imoko aufwendige Blumenarrangements gestaltete. Seine Hütte am Teich (池坊, Ike no bō) gilt als namensstiftend für das Ikenobō-Ikebana. 1450 gründete Ikenobō Senkei im Rokkaku-dō die erste Ikebanaschule im eigentlichen Sinn, weshalb davon ausgegangen wird, dass die Kunst des Ikebana hier ihre Wurzeln hat. Es wird angenommen, dass Sen no Rikyū, der Begründer der modernen Teekunst, den Tempel regelmäßig besuchte. Der Tempel beherbergt eine Statue von Kannon, der Göttin des Mitgefühls, die von vielen Gläubigen verehrt wird.

kannon

Er ist auch als Nabel von Kyoto bekannt, da er sich im geographischen Zentrum der Stadt befindet. Jährlich zieht der Tempel viele Besucher an, die sowohl die ruhige Atmosphäre als auch die faszinierende Geschichte dieses historischen Ortes schätzen. Wir verbrachten unsere Zeit vorrangig im 5. bzw. 6. Stock des modernen Ikenobō Hochhauses, in dem auch unsere Kurse stattfanden. Zuerst war jedoch ein Gang zum Karaku-Shop im 8. Stock angesagt, da wir uns vor dem Kurs noch mit Gefäßen und anderen Ikebana-Utensilien eindecken wollten. Mein Kurs C1 war mit 24 Teilnehmer*innen gut besucht und vor allem international besetzt. Die Teilnehmer*innen kamen aus Barcelona, Niederlande, Österreich, London, Moskau, Californien, Cleveland, Colorado, Northern California, Texas, Vietnam, China und Japan.  Diese bunte Mischung sollte eine perfekte Mixtur für ein gelungenes Miteinander geben, was sich in den kommenden Tagen, durch ein angenehmes Arbeitsklima und eine entspannte Atmosphäre in der Gruppe, bemerkbar machte. 

ikenobo hq

Am ersten Kurstag war der aufwendigste Teil des Seminars geplant, ein Rikka Shofūtai, bei dem wir nach einen ausführlichen Theorie-Einheit von Prof. Furukawa mit englischer Übersetzung seiner japanischen Assistentin, unser Können unter Beweis stellen konnten. Gefäße und Kenzan konnten - wie auch an jedem anderen Seminartag - aus einer großen Anzahl an Gefäßen im Lager ausgeliehen werden und die Blumenmaterialien standen jeweils pro Person in Papier verpackt bereit. Mit dem Arrangieren konnte es also losgehen. Diejenigen, die ihr Werk vollendet hatten, zeigten dies der Assistentin kurz an und so ging es begleitet von einer ruhigen und entspannten Arbeitsatmosphäre reihum mit einer Korrektur durch den Professor. Über Mittag konnte man sich in dem Cafe im Basement mit einer Bento Box stärken und die Vögel beobachten, die im Eingangsbereich in einer großen Voliere unter eingespieltem Dauerschleifen-Gepiepse ihr soziales Miteinander festigen.

ws06

Am zweiten Tag stand ein Shōka Shofūtai Sanshuike kabuwake auf dem Programm. 
Nach einer ausführlichen Erklärung zu den klassischen und ursprünglichen Formen ‚Suiriku-ike‘ (Wasser-Land-Arrangement) und 'Gyodō-ike' (Fischweg-Arrangement) erhielten wir unsere Materialien für die moderne Form für die keine Wasserpflanze genutzt werden muss: Sorghum halepense, Heidelbeerkraut und kleine Nelken. Am dritten Tag war wieder unser Können mit Draht umzugehen, bei einem Rikka Shimpūtai gefragt. Die Materialien, die wir dafür erhielten, konnten mit den übrig gebliebenen Blumen der vorangegangenen Tage ergänzt werden. Am vierten Tag ging es darum Aspidistrablätter in einem Jiyūka zu verfremden und entweder designhaft oder natürlich zu arbeiten.

ws07

Da mit dem Jiyūka alle Teilnehmenden unseres Kurses schon relativ früh am Nachmittag fertig waren, konnten wir noch gemeinsam mit unserem Professor das Museum im 3. Stock besuchen und erhielten eine sachkundige Führung über das Gelände des Rokkakudō-Tempels. Berühmt ist die Trauerweide, die am Eingang steht und an deren Zweige viele Besucher*innen und Gläubige ihre Wünsche und Sprüche auf Papierstreifen befestigen. Es hat schon einen besonderen Reiz, wenn sich diese, über und über mit weißen Papierstreifen behängten Zweige, im Wind wiegen und es wunderbar nach Räucherstäbchen duftet. Einzig die Schwäne, die so wundersam malerisch in dem kleinen Teich zwischen Tempel und Hochhaus schwimmen, sind zu bedauern, da ihr Refugium - für den notwendigen Platzbedarf für einen Wasserstart - zu klein ist, sodass sie nicht entfliehen können.

Abgerundet wurde unser Seminar-Programm durch ein Gala-Dinner, bei dem vor allem Gespräche mit anderen Teilnehmern und Professoren im Vordergrund standen. Mit den Gesprächen, dem gemeinsamen Anstimmen des Ikenobō-Songs, einer Video-Grußbotschaft der Headmistress designate Senko Ikenobō und den Fotoshootings unserer Gruppen, waren wir derart beschäftigt, dass zwischendurch kaum Zeit für ein paar Happen am Buffet blieb. Nachdem die 126 Teilnehmerinnen der 24 Chapter bzw. Study-Groups - aus insgesamt 17 Ländern - begrüßt und beklatscht worden waren, neigte sich die Veranstaltung dem Ende zu und zu guter Letzt wurden noch die Professoren mit einem Applaus gebührend verabschiedet, bevor es mit dem Taxi zurück in die Hotels ging.

competition ad

Ikenobō will auch die Jugend begeistern: Ein großes Plakat an der Außenwand des Ikenobō Gebäudes, kündigt einen Wettbewerb für die Jugend an, bei dem Gymnasiasten eingeladen sind, sich mit einem Ikebana zu beteiligen. Das Headquarter veranstaltet mit einigen Partnern einen Wettbewerb unter dem Motto: ‚Lass es jetzt blühen. Deine Blume‘. Drei Gymnasiasten, die Ikenobō Ikebana lernen, bilden ein Team, schaffen ein Werk und sprechen in einer Präsentation leidenschaftlich über ihre Gefühle. Es ist das einzige Ikebana-Bezirksturnier in dieser Art in Japan. Repräsentative Teams aus 12 Bezirken im ganzen Land sind zu diesem nationalen Turnier zum Rokkakudō nach Kyoto eingeladen um sich mit den Besten für die Blume der Jugend zu messen.

Kategorie